„Es waren schöne Tage hier, auf dem Streifen Zivilisation zwischen Urwald und Ocean“ – eine Reise nach Brasilien 

von Christina Lemmen

 

Die Palmen scheinen sich sanft im Wind zu wiegen, der helle Sandstrand lädt zum Verweilen, das im seichten Wasser schaukelnde Boot zu einem kleinen Ausflug aufs Meer ein. Sehr idyllisch wirkt diese Szene auf der „Ilha de Paqueta“, die zu Rio de Janeiro gehört und die Vorderseite der Ansichtskarte ziert. Das Jahr ist 1924 und Waldemar Bonsels befindet sich in den letzten Tagen einer mehrwöchigen Reise durch Brasilien. Gemeinsam mit dem Biologen Adolph Freiherr von Dungern und den Dokumentarfilmern August Brückner und August Zawadski hatte er sich im Auftrag von Ufa und Terra-Film aufgemacht, eine Dokumentation über das Amazonasgebiet zu drehen.

Ende Mai war die Gruppe mit dem Dampfschiff in Italien aufgebrochen und hatte am 18. Juni in Rio de Janeiro angelegt. Von dort aus ging es zwei Wochen später mit einem Raddampfer ins nordbrasilianische Pará (heute: Belém), das der Ausgangspunkt zahlreicher Expeditionsfahrten sein sollte. Eigentlich wollte Bonsels bis Ende Oktober 1924 in Brasilien bleiben. Nun kündigt er seiner Frau Elise per Ansichtskarte die baldige Rückkehr an:

„Liebe Lise mein,
das wird von diesen herrlichen Küsten der letzte Gruß sein. Morgen geht der Dampfer. Etwa am 20. [August] in Bremen über Madeira. d. W.B.“

Schon kurz nach der Ankunft in Brasilien erkrankt Bonsels an „Tropenfieber“, Malaria also. In einem Brief an seinen Schriftstellerfreund Otto Wirz berichtet er von Überschwemmungen und starken Regenfällen – ideale Bedingungen für Malariamücken. Das feuchte Klima macht auch der technischen Ausrüstung des Filmteams zu schaffen. Bonsels‘ Gesundheit leidet im Dschungel so sehr, dass er sich zu einer frühzeitigen Rückkehr entschließen muss. Der Rest des Teams hält am ursprünglichen Plan fest und führt die Dreharbeiten fort. 1925 erscheint die Dokumentation „Urwelt im Urwald“ als Stummfilm.

Waldemar Bonsels verbringt vor der Abfahrt noch einige Tage in Rio de Janeiro, hält dort vor der Deutschen Gesellschaft einen Vortrag aus seinen Werken und verschifft seine Reise-Souvenirs. Im Gepäck hat er die Haut eines Krokodils und einer vier Meter langen Anakonda, wie er seiner Sekretärin Maja von Schrenck ins heimatliche Ambach schreibt. In seinem Brief an Otto Wirz resümiert er: „Die Zeit war trotz allem groß und herrlich, eine ungeheure Erinnerung, die ihre guten Folgen zeitigen wird.“ Tatsächlich wird er über die Zeit in Brasilien einige Texte in Zeitschriften veröffentlichen und bringt 1931 – sieben Jahre nach der Expedition – zusammen mit Adolph von Dungern im Reimar Hobbing Verlag das mit zahlreichen Fotos angereicherte Buch „Brasilianische Tage und Nächte“ heraus.

Jetzt aber freut Bonsels sich auf die Rückkehr nach Hause und bittet Maja von Schrenck: „Putz die Reste des Boots und sorge bei Edel für Wein, er soll eine Rechnung senden. Ich freue mich auf Ambach, die Arbeit und auf dich. Dein W.B.“

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